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am 18. September 2016

20 Jahre – und kein bisschen leise

Die Grünen Andersrum Wien - An sich sind wir ja sehr in die Zukunft fokussiert. Aber der Blick zurück zeigt, wie viel wir schon erreichen konnten.

Dem Teenageralter entwachsen, ist es Zeit für einen kleinen Rückblick, was bisher alles gemacht wurde. Die Anfänge führen uns ins letzte Jahrtausend:

Am 31. März 1996 richtete der Grüne Bundeskongress auf Initiative der gerade frisch gewählten Bundesgeschäftsführerin Ulrike Lunacek und des Linzer Grün-Aktivisten Gernot Wartner die „Bundesarbeitsgruppe für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen“ ein. Dies war der Startschuss für die „Grünen Andersrum“, ein Name, der für die Wien-Wahl im Herbst gefunden wurde. Im gleichen Jahr fand auch die erste Regenbogenparade in Wien statt.

Alles hat einen Anfang

Akzeptanz statt Toleranz

Seit damals setzen sich die Grünen Andersrum unermüdlich für die rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung von allen queeren Personen ein. So wird 1998, nach der Idee des 'Akzeptanzkonzeptes' der Grünen Andersrum im LT-Wahlkampf 1996, gemeinsam mit der SPÖ die Wiener Antidiskriminierungsstelle für Gleichgeschlechtliche Lebensweisen eingerichtet und Gemeindebauten werden für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet. Ein gewisser Kampf gegen Windmühlen ist die Beflaggung des Rathauses und der magistratischen Bezirksämter mit Regenbogenfahnen, als Zeichen für ein weltoffenes, tolerantes und solidarisches Wien. Seit 1998 ist das Rathaus zur Regenbogenparade entsprechend beflaggt, Döbling seit 2016 und andere Bezirke fehlen noch.

2001 findet die Europride, trotz Schwarz-Blau, in Wien statt. Erst 2002 wird das höhere Mindestalter für schwule Beziehungen (18 Jahre) dem für Heteros und Lesben (14 Jahre) durch ein Urteil des Verfassungsgerichtshofs angepasst und der § 209 aufgrund von Urteilen des VfGH und des europäischen Menschenrechtsgerichtshofs abgeschafft.

2004 tritt das Wiener Antidiskriminierungsgesetz in Kraft, welches homosexuell Liebende am Arbeitsplatz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung schützt. Ein „leveling-up“ auf Bereiche abseits des Arbeitsplatzes wird von der ÖVP für Lesben und Schwule immer noch verhindert. So darf in Lokalen zwar niemand mehr aufgrund des Geschlechts, der Hautfarbe oder des Alters diskriminiert werden, sehr wohl aber können Gäste mit den Worten „Kaane Woarmen“ aus Lokalen geworfen werden.


10 Jahre Grüne Andersrum: Die Zeitschrift (2006)

40 Jahre Stonewall: Unsere Zeitung

Gesellschaftliche Mitte

Zahlreiche Projekte werden von den Grünen Andersrum im Laufe der Zeit initiiert, um für Akzeptanz zu werben und aufzuklären: Seit 2003 fordern die Grünen Andersrum ein Mahnmal, das an den rosa Winkel und die homosexuellen Opfer des NS-Regimes erinnert. Zwar gab es schon viele Entwürfe und eine temporäre Umsetzung, eine dauerhafte Lösung steht aber immer noch aus.

Im Wiener Wahlkampf 2005 ziehen die Grünen andersrum mit 10 Schafen, eines davon pink eingefärbt (keine Angst, tiergerecht eingefärbt und abwaschbar ;-) ), vor die ÖVP Parteizentrale, um auf die andauernde Diskriminierung von ca. 10% der Bevölkerung aufmerksam zu machen. Ebenfalls 2005 präsentiert sich die von der Stadt Wien unterstützte Ausstellung „geheimsache:leben“, die sich mit der queeren Geschichte Wiens und Österreichs beschäftigt. Auch 2005 wurden Homosexuelle erstmals als NS-Opfer im Opferfürsorgegesetz anerkannt, als niemand mehr von ihnen lebte. Bis dahin wurden nicht einmal KZ-Zeiten für die Pension angerechnet, was den Wärtern sehr wohl gewährt wurde. 2006 läuft die Kampagne „Die Fans vom anderen Ufer“ mit dem Wiener Sportklub. Ganz aktuell dazu läuft jetzt zur EM das Mitmachtheater „RUND. ECKIG. SCHWUL.“.

Seit 2008 läuft auch die Kampagne www.homohetero.at, welche in vielen Sprachen und jugendgerechter Sprache über das Thema aufklärt. Begleitet wurde es von einer Plakatkampagne und auch heuer wieder neu aufgelegten Foldern. 2009 läuft die „Unheilbar“-Kampagne mit Fotoshooting am Stephansplatz, die sich gegen untragbare Aussagen von Kirchenvertretern richtet. Ebenfalls 2009 begehen wir „40 Jahre Stonewall“.

Staatliche Ehe für alle

So alt wie die Grünen Andersrum ist auch die Forderung nach einer Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare bzw. nach einem modernen Partnerschaftsmodell für alle. Jede Liebe ist gleich viel wert! Auf dem — noch nicht abgeschlossenen — Weg dorthin gab es wichtige Meilensteine: 2004 präsentieren die Grünen ihr Modell eines Zivil-Paktes (ZIP) für hetero- und homosexuelle Paare abseits der von der katholischen-patriachalen Tradition geprägten Zivilehe.

2010 tritt endlich das „Eingetragene Partnerschafts Gesetz“ in Kraft, dank der Regierungsbeteiligung der seit mittlerweile 30 Jahren mitregierenden ÖVP voll von kleinen und großen Gemeinheiten, die seither schrittweise vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben wurden.

Wir wollen zippen

So mussten auf Betreiben der ÖVP alle Formulare des Staates Österreich auf „Familien- und Nachname“ umgedruckt werden, da eingetragenen Partnerschaften der Familienbegriff verweigert wird. Oder die Eintragung am Bezirksamt statt am Standesamt, wie sie von vielen Bundesländern immer noch, verfassungswidriger Weise, exekutiert wird. Ebenfalls 2010 organisieren die Grünen Andersrum, gemeinsam mit vielen Partner_innen, die Demo „Erstklassige Rechte“ gegen diese Diskriminierungen.


Queer:Green: 15 Jahre Grüne Andersrum (2011)

Solidarisch

Die Grünen Andersrum arbeiten seit je her mit andern zusammen. Sei es durch die Unterstützung diverser Vereine und Initiativen (Gay-Cops, MiGay, Aufschlag, Rechtskommite Lambda, u.v.m.), durch Networking-Treffen oder durch den Besuch von Pride-Paraden in Nachbarländern. Der Neujahrsempfang der Grünen Andersrum ist ja fast schon eine Tradition, die Partys im Ost-Klub — etwa eine von den Grüne andersrum mit den Grünen MigrantInnen — waren legendär. Aktionen, an denen wir teilnehmen, wie das Kiss-Ins im Museumsquartier gegen Homophopie (2011) oder der Flashmob vor einem bekannten Wiener Kaffeehaus (2015) machen Spaß und zeigen ebenso wie unsere Paradeteilnahmen unsere Positionen. Aktuell auch die Unterstützung für ein Wohnprojekt für lesbische und schwule Asylwerber_innen. Schön auch die gemeinsamen politischen Erfolge in Wien: die Einrichtung des Zentrums für Regenbogenfamilien, die heuer erfolgt, oder die Studie „Queer in Wien“.


Frauenpower

Seit der Gründung der Grünen Andersrum sind Lesben treibende Kräfte des Kampfes gegen Intoleranz: so zum Beispiel Friedrun Huemer, Ulrike Lunacek ,erste offen lesbische Politikerin Österreichs (1995!), NR-Abgeordnete 1999-2009 und heute Abgeordnete zum Europäischen Parlament sowie die ersten offen lesbische Vizepräsidentin desselben, und Jennifer Kickert, Abgeordnete zum Wiener Gemeiderat und Landtag. Viele kamen im Lauf der Zeit dazu, vor allem seit 2003, als die Lesbengruppe der Grünen Andersrum „Linke Emanzen Crew“ gegründet wurde. So wird 2008 Lisa Rücker grüne Stadträtin und Vizebürgermeisterin in Graz. Und aktuell ist auch Ewa Dziedzic Bundesrätin für die Wiener Grünen und Sprecherin der Grünen Andersrum im Bund.


Zukunft

Wie Marco Schreuder, viele Jahre lang Sprecher der Grünen Andersrum, so schön sagte: „Wir sind ja die einzige Teilorganisation, die für ihre Abschaffung arbeitet: wenn LGBTI-Personen nicht mehr diskriminiert werden, können wir uns auflösen.“. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg – sowohl in Österreich als auch weltweit. Was die nächsten fünf Jahre bringen werden? Wir wissen es nicht, aber wir schreiten hoffnungsvoll voran und werden weiterhin mit vollem Engagement und Elan als unverbesserliche Gutmenschen die Welt verbessern! Hoffentlich gemeinsam mit euch und allen anderen da draußen in den unendlichen Weiten.

Konnten wir die letzten Jahre wirklich gut: Buttons produzieren. Hier ein kleines Best-Of.